Kunsthalle Mannheim / Stadt in der Stadt / Köpfe hinterm Bauzaun


Köpfe hinterm Bauzaun // Fast sieht es von außen so aus, als würde auf der Baustelle der Kunsthalle Mannheim derzeit wenig passieren. Hinter dem Bauzaun herrscht jedoch reges Treiben. An die 60 Menschen tummeln sich oft gleichzeitig auf der Baustelle. Bis zur Fertigstellung des Gebäudes werden hier an die 100 Gewerke Hand in Hand gearbeitet haben – vom Trockenbauer, Fensterinstallateur und Innenarchitekt über Hoch- und Tiefbau bis hin zur technischen Weberei. Insgesamt tragen mehrere hundert Handwerker und Poliere, Planer und Ingenieure, Statiker und Architekten dazu bei, dass der derzeit größte Museumsneubau Deutschlands am 15. Dezember 2017 eröffnet werden kann. Unter ihnen sind auch Liselotte Knall, Peter Bremer und Simon Deffaa.
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Simon Deffaa
„Wenn am Ende alle zufrieden sind, bin ich glücklich“

Einen schriftlichen Lebenslauf? Hat Simon Deffaa nicht. „Ich musste noch nie einen schreiben“, erklärt er lächelnd. Deffaa ist Bauleiter der Mannheimer Firma Streib, zuständig für den Rohbau der Kunsthalle Mannheim. Er plant und überwacht die Bauabläufe, beschafft die Materialien, wie z.B. Stahl und Beton, Schalungen, spezielle Bauteile wie Bodenabläufe oder Stahleinbauteile. Moment: Rohbau? Der wurde doch bereits 2016 fertiggestellt. „Die Hauptarbeit des Rohbaus ist abgeschlossen“, bestätigt der 54-Jährige, „aber es gibt noch Restarbeiten.“ Wenn die Haustechnik ihre Leitungen gelegt hat, müssen zum Beispiel Schächte zugemauert werden. „Wir machen alle Löcher zu, die noch offen sind – auch nach dem Richtfest“, sagt er, schelmisch grinsend.
Geboren wurde Simon Deffaa in Ludwigshafen. Heute lebt er in dem Pfälzer Weindorf Weisenheim am Berg. Mit 15 Jahren hat er hier 1978 seine Maurerlehre begonnen, später Hochbautechniker in Kaiserslautern gelernt und begleitend seinen Meister absolviert. „Wir sind in unserer Familie in der vierten Generation Bauleute“, erzählt er. „Man kann sagen: Der Beruf wurde mir in die Wiege gelegt.“
Durchgeplant hat Deffaa den Rohbau bereits im Februar 2015. Den Personalbedarf kann er sogar schon in der Ausschreibung ablesen. „Es gibt einen Terminplan, einen Ablauf, nach dem man den Personalbedarf ausrechnen kann.“ Anhand eines Beispiels erklärt er geduldig den Rechenweg. Das klingt wunderbar – mathematisch und logisch. Klappt das denn auch immer so? Simon Deffaa lächelt: „Nicht immer.“
Simon Deffaa hat ähnlich komplexe, bisher jedoch auch kleinere Gebäude als Rohbauleiter begleitet –wie die Kunsthalle in Heilbronn und das Bademaxx in Speyer. „Trapezoidträger in einer Höhe von 21,5 Metern herzustellen oder schwebende Stege nachträglich einzubetonieren ist aber etwas ganz Besonderes.“
Er ist sicher: Eine Baustelle funktioniert nur in einem Team, das gut und konstruktiv zusammen arbeitet. Sein Respekt geht vor allem an die Bauarbeiter: „Am Ende sind sie es, die bei Wind und Wetter und wenn es sein muss auch nachts mit Kranbeleuchtung die Arbeit erledigen.“
Glücklich ist er, wenn alles läuft, wie geplant, und am Ende alle Beteiligten zufrieden sind und kein Unfall passiert ist. Jetzt muss er weiter nach Kaiserslautern. „Studentenwohnheim, fünf Mio. Es geht immer weiter.“


Peter Bremer
„Alles funktioniert nur ineinander verzahnt“
 
„Meinen Beruf gibt es eigentlich gar nicht – nicht einmal eine Bezeichnung dafür“, stellt Peter Bremer gleich zu Anfang fest. „TGA-Planer“ treffe es noch am ehesten. TGA, das steht für „Technische Gebäudeausstattung“ und umfasst alle Bereiche der Elektrotechnik – Versorgung, Planung und Ausführung für Starkstrom und Schwachstrom. Studiert hat Bremer Elektrotechnik in Düsseldorf. Vor seinem Studium war er vier Jahre lang bei der Marine: erst als Offiziersanwärter, dann als Schwimmtaucher und Ausbilder der Offiziere in der U-Boot-Lehrgruppe. „Schon als kleiner Junge hatte ich eine Affinität zur Technik und die Marine fand ich einfach toll“, erinnert er sich mit funkelnden Augen. Dass er „immer sportlich war“ habe ihm geholfen. Irgendwann begann er jedoch, Befehle zu hinterfragen. „Mir hat sich einfach nicht der Sinn erschlossen, warum jemand bei stürmischer See die Reling putzen muss.“
Also machte er sich 1977 mit zwei befreundeten Kollegen selbstständig. 30 Jahre lang lief das gemeinsame Büro erfolgreich, 2007 stieg Bremer trotzdem aus: „Nach einer so langen Zeit hat man sich nichts mehr zu sagen.“ Er war 60 Jahre alt, als er mit seinem Sohn das eigene Ingenieurbüro gegründet hat.
Die Klimatisierung der Räume, die Sicherheitsaspekte und die Beleuchtung der Exponate machen ein Museum für einen TGA-Planer zu einer besonderen Herausforderung. „Beim Neubau der Kunsthalle Mannheim kommt noch die offene Struktur des Baukörpers als Herausforderung hinzu“, fügt der 70-Jährige hinzu. „Die einzelnen Kuben sind baulich nur über Brücken miteinander verbunden, über die ich alle Leitungen und Trassen führen muss.“
Peter Bremer ist ein Mann mit Ausdauer. Diese braucht er, um einen Bauprozess über zweieinhalb Jahre lang zu begleiten. Seinen langen Atem nutzt er auch bei Marathonläufen. Peter Bremer hat bereits an acht der Mammutläufe teilgenommen. Dabei hat er erst mit Mitte 40 begonnen. „Ich wollte etwas für meine Gesundheit tun.“ Joggen kam nicht in Frage: „Ich bin der Typ: ganz oder gar nicht.“
Auch ein Museumsbau ist kein Spaziergang. Bei aller Zielstrebigkeit bleibt der Düsseldorfer weich im Knie. Seine Gelassenheit ist auch auslandsgeprüft: Er arbeitete u.a. mit an der Mekka Road, einem Flughafen in Saudi-Arabien, einem Museum in Tiflis, Georgien. „Die deutschen Standards werden weltweit geschätzt. Gebaut wird dann allerdings trotzdem anders“, erzählt er schmunzelnd. Sein Rat: flexibel bleiben. „Es gibt eine Planung, entlang der man sich bis zur Fertigstellung hangelt. Aber es läuft nicht immer alles geradlinig – auf keiner Baustelle.“


Liselotte Knall
„Ich liebe es, wenn ein Plan aufgeht!“
 
Wie kamen Sie zur Architektur?
Eigentlich wollte ich Musik studieren, habe klassische Gitarre gelernt – mit „Jugend musiziert“-Teilnahme und allem. Doch kurz vor dem Abitur kam mir das unrealistisch vor. Ich habe überlegt: Was kann ich noch? Kunst und Mathe – das ergab Architektur! (lacht)
 
Sie haben aber nicht direkt Architektur studiert, sondern Praktika gemacht und eine Bauzeichner-Ausbildung.
Stimmt. Als Bauzeichnerin habe ich mir mein Studium finanziert. Ich fand den Praxisbezug wichtig. Viele Architekturstudenten merken ja erst, wenn sie ihr Studium beendet haben, dass ihnen die Arbeit nicht liegt. Der Beruf hat viel mit Technik und Koordination zu tun; der künstlerische Anteil ist geringer, als man denkt.
 
Wie darf man sich Ihre Arbeit als Generalplanerin bei gmp vorstellen?
Ich bin für ein Team verantwortlich, koordiniere alle Termine und strukturiere die Abläufe. Auf der Baustelle überzeuge ich mich davon, dass die Gesamtoptik des Baus eingehalten wird. Ich muss den gesamten Prozess im Auge behalten – auch hinsichtlich der Fertigstellung.
 
Wie kann so ein komplexer Prozess gelingen?
Man muss zeitliche Puffer einrechnen. Und man darf nicht erwarten, dass die anderen gleich springen, wenn man etwas will. Oft fungiert man als Mediator zwischen den Beteiligten.
 
Wie ist es für Sie als Frau, in einer Männerdomäne zu arbeiten?
Als ich meine Ausbildung gemacht habe, war dieser Arbeitsbereich stärker von Männern beherrscht. Mittlerweile hat sich das geändert. Ich habe nie Probleme gehabt: Kompetenz zählt, nicht das Geschlecht!
 
Was ist das Besondere am Bau der Kunsthalle Mannheim?
Die technischen Anforderungen sind – gerade in Bezug auf die Klimatechnik – deutlich höher als z.B. bei einem Gewerbegebäude. Der Entwurf von gmp für die neue Kunsthalle Mannheim, den ich auf seine Umsetzbarkeit geprüft habe, stellt uns in der Umsetzung durch seine offenen Räume durchaus vor Herausforderungen. Spannend!
 
Was ist in beruflicher Hinsicht Ihr größtes Glück?
Ich liebe es, wenn ein Plan aufgeht! Planungsprozess und Bauablauf setzen viele Emotionen, Erwartungen und Unsicherheiten frei. Doch wenn am Ende alle happy sind, weiß ich, dass ich meinen Job gut gemacht hat.



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