Kunsthalle / Unsere Sammlung / Provenienzforschung

Verdrängten Geschichten auf der Spur - Provenienzforschung an der Kunsthalle Mannheim // Seit November 2011 erforscht die Kunsthalle im Rahmen eines von der Bundesrepublik geförderten Langzeitprojekts die Herkunftsgeschichten ihrer Gemälde, Skulpturen und Graphiken. International beachtetes Ziel ist, die sogenannte NS-Raubkunst auch in der Mannheimer Sammlung zu ermitteln und rechtmäßigen Eigentümern zurückzugeben.
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Dabei handelt es sich um Nachkommen verfolgter Familien, die unter nationalsozialistischer Diktatur Kunstwerke gegen ihren Willen verkaufen mussten oder enteignet wurden. Als Pionierleistung in der deutschen Museumsszene gilt das Konzept, Ergebnisse der Provenienzforschung erstmals in die permanente Sammlungspräsentation zu integrieren. Die „harten Fakten“ sind kurz beschrieben: Bis dato wurden 3.000 Inventarnummern der Mannheimer Sammlung von zwei Kunstwissenschaftlern eingehend überprüft. Nur bei 18 Werken konnten Verdachtsmomente auf NS-Raubkunst ermittelt werden. Hier ist eine weitergehende Forschung nötig. Insgesamt hat die Kunsthalle seit 1945 zwei Gemälde, eine Graphik und eine Plastik restituiert. Seit 2013 ist Provenienzforscher Dr. Mathias Listl allen Werken, die nach 1932 in die Sammlung der Kunsthalle gelangten und vor 1946 entstanden, auf der Spur. In kriminalistischer Feinarbeit zieht er das Hausarchiv, Künstlerliteratur und Werkverzeichnisse, aber auch spezielle  Datenbanken und internationale Wissenschaftler zu Rate.

Seit 2015 ist die Überprüfung der Skulpturen und Gemälde abgeschlossen. Jetzt rückt die Graphische Sammlungin den Fokus. Die Kunsthalle zeigt größte Transparenz: Alle Verdachtsfälle werden mit ihrer Vorgeschichte auf der Homepage und auf lostart.de veröffentlicht. So auch die Radierung "Der Trinker von Wilhelm Leibl." Dieses Blatt erwarb die Kunsthalle 1944 von der Mannheimer „Verwertungsstelle volksfeindlichen Vermögens“, die den Hausrat emigrierter oder in Konzentrationslager verschleppter jüdischer Mannheimer weiter verkaufte. Bisher konnten die konkreten Vorbesitzer der Graphik nicht ermittelt werden.

Mehr zur Provenienzforschung der Kunsthalle Mannheim sowie zur Übersicht aller untersuchten Werke.



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