Kunsthalle Mannheim / Unsere Sammlung / Restaurierung

Beckmann in Schwingung - Moderne Kunst trifft auf Hightech // Ein roter Laserpunkt tastet sich heftig summend Millimeter für Millimeter von links nach rechts aufder Leinwand vor. 24 Stunden benötigt der Schwingungsmesser, um Beckmanns berühmte Fastnacht – 160 × 100 cm groß – zu inspizieren. Das Gemälde soll in den nächsten Wochen grundlegend restauriert werden.
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Bei Voruntersuchungen stellte Restauratorin Katrin Radermacher fest, dass Stabilität und Spannung der Leinwand auf dem Keilrahmen unzureichend sind, was bei Transporten zu Folgeschäden führt. Bevor das Schlüsselwerk der Mannheimer Sammlung seinen Platz im Neubau findet, müssen nun Methoden gefunden werden, mit denen selbst unsichtbare Schäden lokalisiert und „geheilt“ werden können. Übliche Techniken halfen da nicht weiter. Die Lösung: An der Technischen Universität Berlin entwickelte Dr. Kerstin Kracht im Rahmen ihrer Promotion im Fachgebiet mechatronische Maschinendynamik eine Untersuchungsmethode, mit der bereits der ideale Sockel für die Nofretete im Berliner Neuen Museum gefunden wurde. Auf das Kooperationsangebot der TU Berlin, die das komplette Mess-Equipment samt WissenschaftlerInnen zur Verfügung stellt, ging die Kunsthalle gern ein. In Mannheim wird das bezaubernde Doppelporträt von Beckmann mit Hilfe eines elektrodynamischen Erregers – dem Shaker – in Bewegung versetzt, natürlich in einem unschädlichen Nanomillimeterbereich. Die Mikroschwingungen werden mit einem automatischen Hightech-Laserroboter an knapp 25.000 Punktenvermessen und elektronisch aufgezeichnet. Das so sichtbar gemachte Schwingungsverhalten des Gemäldes ermöglicht völlig neue Erkenntnisse für die dringend notwendigen restauratorischen und konservatorischen Maßnahmen. Es gilt nicht nur, die Fastnacht zur Eröffnung des Neubaus in vollem Glanz erstrahlen zu lassen, sondern das kostbare Werk für künftige Generationen nachhaltig zu sichern.

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