Boccioni "Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum" - Nachbereitung

Das Foto zeigt die Bronzeplastik im Profil nach links blickend. Die geschwungenen Formen erinnern an einen gehenden Menschen zugleich aber auch an Maschinenteile und andere Gegenstände. Die glatte Oberfläche glänzt golden.
Das Foto zeigt die Bronzeplastik. Die betrachtende Person blickt schräg von vorne rechts. Die geschwungenen Formen erinnern an einen gehenden Menschen zugleich aber auch an Maschinenteile und andere Gegenstände.
Das Foto zeigt die Bronzeplastik von vorne auf die Skulptur blickend. Die geschwungenen Formen scheinen direkt auf den Betrachtenden zuzulaufen.
Das Foto zeigt die Bronzeplastik. Die betrachtende Person blickt schräg von vorne links auf die Skulptur blickend. Von dieser Seite aus wirkt die Schulterpartie flügelartig.
Das Foto zeigt die Bronzeplastik im Profil nach rechts blickend. Die geschwungenen Formen erinnern an einen gehenden Menschen zugleich aber auch an Maschinenteile und andere Gegenstände.
Das Foto zeigt die Bronzeplastik. Die betrachtende Person blickt schräg von hinten rechts. Die geschwungenen Formen erinnern an einen gehenden Menschen zugleich aber auch an Maschinenteile und andere Gegenstände.
Das Foto zeigt die Bronzeplastik von hinten auf die Skulptur blickend. Die geschwungenen Formen scheinen von den Betrachtenden wegzulaufen
Das Foto zeigt die Bronzeplastik. Die betrachtende Person blickt schräg von hinten links. Die geschwungenen Formen erinnern an einen gehenden Menschen zugleich aber auch an Maschinenteile und andere Gegenstände.

1. Der Futurist Umberto Boccioni

Umberto Boccioni (*1882 - 1916) war nicht nur ein bedeutender Maler und Bildhauer, sondern auch Theoretiker des Futurismus. Er schrieb viele Texte und hielt Vorträge darüber, was den Futurismus ausmachte, welche Ziele er verfolgte und worin sich die Bewegung von anderen unterschied.

1912 verfasste der Künstler einen Text über die futuristische Skulptur und forderte einen Neuanfang. Doch wie genau dieser aussehen sollte, musste er selbst erst herausfinden. Er schuf zahlreiche Skulpturen, die sich mit Bewegung im Raum befassten. Dazu gehörte auch "Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum". Er selbst meinte: "Es ist meine (...) am weitesten befreite Arbeit". Mit dieser Skulptur gelang es ihm, eine Formensprache zu entwickeln, mit der er die Dynamik des modernen Lebens greifbar machen konnte. Etwas, das gar nicht körperlich ist, hatte eine Form, einen menschenähnlichen Körper bekommen. Die Figur selbst steht also für die kontinuierliche, das bedeutet andauernde Bewegung im Raum. Sie ist so berühmt, dass sie heute für die futuristische Bewegung selbst steht und die italienische 20-Cent-Münze ziert.

In Boccionis Texten wird deutlich, dass der Künstler sehr viel über die Ziele des Futurismus nachdachte und nach geeigneten Worten suchte, um diese zu vermitteln. Er forderte:

 

 

2. Alles bewegt sich

Umberto Boccioni befasste sich über einen längeren Zeitraum mit der Darstellung von Bewegung in einer Skulptur. Die Skulptur "Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum" war vermutlich die letzte einer Reihe von vier Werken. Ihre Titel lauteten: "Synthese der Dynamik eines Menschen", "Muskeln in schneller Bewegung", "Spiralförmige Ausdehnung von Muskeln in Bewegung" und schließlich "Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum". Nur "Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum" ist heute noch erhalten. Die übrigen Figuren, die auch aus Gips waren, sind zerstört. Doch noch heute zeugen die Fotos und die Titel von Boccionis künstlerischen Fragestellungen. Vergleicht die Titel mit den Werken, könnt ihr erkennen, worum es dem Künstler ging? Worin unterscheidet sich "Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum" von den anderen Skulpturen?

1. Synthese der Dynamik eines Menschen

2. Muskeln in schneller Bewegung

3. Spiralförmige Ausdehnung von Muskeln in Bewegung

4. Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum

 

 

4. Umberto Boccioni und die Fotografie

Ich sah ein Foto, das jedem anderen Gemälde in nichts nachstand. Die Mechanik hat bei der Reproduktion der Wirklichkeit so große Fortschritte gemacht, dass dem Menschen nur noch der Geist bleibt. Alles geht auf den Geist zu.

Umberto Boccioni 12.10.1907

Image
Die Fotografie zeigt die Gipsplastik vor den geöffneten Fenstern eines Balkons stehend. Sie ist nur als Schattenriss erkennbar.

Obwohl Umberto Boccioni in seinen Texten und Briefen viel über seine futuristischen Ideen und seine Ausstellungsprojekte schrieb, verriet er kaum etwas über seine künstlerische Vorgehensweise. "Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum" ist eine der wenigen Skulpturen überhaupt, die heute noch erhalten sind. Die meisten wurden nach seinem Tod zerstört. Ein Bekannter der Familie bewahrte sie auf, ließ sie aber schließlich auf eine Mülldeponie bringen. Bis auf die schriftlichen Erwähnungen, sind Schwarz-Weiß-Fotografien die einzigen Zeugen dieser Skulpturen. Neben den Abbildungen in Büchern geben vor allem die erhaltenen privaten Fotografien einen Einblick in das Leben und Schaffen des Künstlers.

Das noch junge Medium der Fotografie spaltete die Geister. Von den einen wurde sie gehasst, weil sie schneller, genauer und kostengünstiger als jeder Maler die sichtbare Welt abbilden konnte. Die anderen sahen darin völlig neuen künstlerische Möglichkeiten. Gerade die technikbegeisterten Künstler um den Kreis der Futuristen entdeckten die Fotografie für sich. Auch Umberto Boccioni griff zur Kamera. Allerdings nutzt er die Fotografie vor allem um seine Kunstwerke, seine Familie und seine Ausstellungen festzuhalten. Er verwendete eine moderne aber schlichte Kamera mit Rollfilm. In den Fotografien dieser Zeit begegnen wir vielen seiner heute zerstörten Werke, ihm selbst, seiner Schwester, seiner Mutter und seinen Künstlerfreunden. Es ist nicht überliefert wer "Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum" im Atelier des Künstlers fotografierte. Im Gegenlicht des Fensters wird noch einmal deutlich, wie bewegt die Umrisse dieser einzigartigen Formen sind.

 

 

5. Make: Ein Tanz der besonderen Art

Um die Dynamik des modernen Lebens einzufangen, entschied sich Boccioni dafür, einen neuen Weg einzuschlagen. Er wollte keine Momentaufnahme einer bestimmten Bewegung festhalten, sondern eine Formensprache entwickeln, die Raum und Zeit miteinbezog. Schließlich verändert ein bewegter Körper sich selbst und den ihn umgebenden Raum. Wie genau Umberto Boccioni bei seiner Suche nach der einzigartigen Form vorging, ist nicht bekannt. Doch soll ein kleines fotografisches Experiment dazu einladen, Boccionis Gedankengang über die Bedeutung von Bewegung und Raum zu folgen.

 

Recherchen und Archiv

Die Fotografie war für viele Künstler dieser Zeit ein neues spannendes Medium. Boccioni selbst fotografierte und wurde fotografiert. Begebt euch auf die Spuren der frühen Fotografie. Wann wurde die Fotografie erfunden und was ist Chronofotografie? Und wer war Anton Giulio Bragaglia?

 

Das Fotoprojekt

Stellt euch vor eine neutrale Wand und macht Fotos davon, wie ihr euch im Kreis dreht, springt oder tanzt. Um möglichst viele Ansichten des sich bewegenden Körpers im Raum zu haben, ist es wichtig, in kurzer Zeit viele Fotos zu machen. Dass die Formen wegen der schnellen Bewegung unscharf sind, ist gar kein Problem. Es ist aber hilfreich, ein Stativ zu verwenden, damit die Kamera immer an derselben Position bleibt. 

 

Die Fotos werden mithilfe eines Bearbeitungsprogramms übereinandergelegt und über die Transparenzeinstellung durchsichtig gemacht. Seht ihr wie ihr mit eurem Körper den Raum erobert habt?

 

Was ihr dazu braucht:

Kamera (Digitalkamera oder Smartphone)

Stativ (ggf. Smartphonehalterung)

Computer

Bildbearbeitungsprogramm