Hector-Bau > Ebene 2 > Kubus 5
Einstieg
1908 zog Alexander Archipenko von Russland nach Paris und kam im Kreis von Kunstschaffenden wie Fernand Léger (1881–1955) und Robert Delaunay (1885–1941) mit den aktuellsten Kunstströmungen – Kubismus, Futurismus und Konstruktivismus – in Kontakt. Der »Sitzende Torso« stammt aus Archipenkos ersten Pariser Jahren und zeigt in seiner abstrahierten Formgebung eine deutliche Abkehr von den Plastiken Aristide Maillols (1861–1944) oder Wilhelm Lehmbrucks (1881–1919), die zur selben Zeit noch intensiv einem Naturvorbild verhaftet sind.
Auf einem runden Sockel dreht sich Archipenkos kniende weibliche Figur spiralartig in die Höhe. Kopf und Armstümpfe sind abstrakt vereinfacht und überaus schlank im Vergleich zu den massigen Oberschenkeln. Der nach hinten gedrehte Kopf deutet ein Bewegungsmotiv an, der Oberkörper der Figur verwandelt sich durch die abgeschnittenen Arme in einen Torso. Ihre geschmeidige Linienführung und die polierte Oberfläche verleihen dieser Plastik etwas Elegantes und lenken den Blick auf die vereinfachten Volumina des Körpers. Schon in diesem frühen Werk zeigt sich Archipenkos Experimentierfreude, mit der er wesentliche Neuerungen in die Formengeschichte der Plastik einbrachte.
Einstieg
In 1908, Alexander Archipenko moved from Russia to Paris and came into contact with the latest art movements—Cubism, Futurism, and Constructivism—through his circle of artists, including Fernand Léger (1881–1955) and Robert Delaunay (1885–1941). The Seated Torso dates from Archipenko’s early years in Paris and, with its abstract form, marks a clear departure from the sculptures of Aristide Maillol (1861–1944) and Wilhelm Lehmbruck (1881–1919), which at that time were still closely tied to natural models.
On a round pedestal, Archipenko's kneeling female figure spirals upward. The head and arm stumps are abstractly simplified and extremely slender in comparison to the massive thighs. The head turned backward suggests a motif of movement, while the upper body of the figure is transformed into a torso by the severed arms. Its smooth lines and polished surface lend this sculpture an air of elegance and draw the eye to the simplified volumes of the body. Even in this early work, Archipenko's willingness to experiment is evident, introducing significant innovations into the history of sculptural form.
Kunsthalle Mannheim, Leihgabe des Landes Baden-Württemberg seit 1962