Hector-Bau > Ebene 0 > Ausstellung Raum 3
Einstieg
Mit seinem »Torso der Großen Sinnenden« beabsichtigte Wilhelm Lehmbruck nicht, eine realistische Nachahmung eines weiblichen Körpers zu schaffen. Die Proportionen seiner Plastik wirken überlängt und der Rumpf in die Höhe gezogen, wobei die Taille der Figur stark betont ist. Durch das Weglassen von Armen, Kopf und Unterschenkeln entsteht ein kompakter und in sich geschlossener Körper, der trotz aller Abstrahierung vom Natürlichen eine harmonische Präsenz besitzt.
Der Torso geht auf die 1913 als Ganzfigurenplastik geschaffene »Große Sinnende« zurück. Lehmbruck beschneidet diese Ganzfigurenplastik oberhalb der Knie, am Hals und an den Oberarmen und schafft damit bewusst ein Fragment. Schon seine Zeitgenoss*innen nahmen in diesem Torso allerdings kein Bruchstück wahr, sondern eines der zentralen Werke des Bildhauers. Das hier vorgeführte Experiment mit Körpervolumen und formaler Reduktion sollte Lehmbruck auch in seinen späteren Arbeiten weiterverfolgen.
Einstieg
In his »Torso of the Tall Contemplative Woman«, Wilhelm Lehmbruck dispensed with a realistic imitation of the female body. Instead, he elongated the sculpture’s proportions, extending the torso vertically, and strongly accentuating the waist. The omission of arms, head, and lower legs creates a compact, self-enclosed body, which, despite all its abstraction of natural features, possesses a harmonious presence.
The torso is derived from the full-figure sculpture Large Pensive Woman of 1913, which Lehmbruck cut above the knee, at the neck, and the upper arms to consciously create a fragment. However, even his contemporaries saw more than a mere fragment in this torso, declaring it to be one of the sculptor’s central works. Lehmbruck would continue this experiment in body volume and formal reduction in his later works.
Kunsthalle Mannheim, Stiftung Sally Falk 1921