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Kunsthalle Mannheim / Cem Yücetas

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Der Geistkämpfer

The Spirit Fighter
1928/1937

Ernst Barlach

(1870-1938)

Material / Technik
Bronze
Steinplatte
Kategorie des Exponats
Skulptur
Gattung
Kleinplastik
Modell
Erwerbungsjahr
1953
Maße
111,30 cm x 55,00 cm x 19,00 cm
Standort

nicht ausgestellt

Einstieg

Ernst Barlach bezeichnet den »Geistkämpfer« als eine Darstellung der »Überwindung«. Aber was genau bezwingt seine Figur? Ein Engel steht mit erhobenem Schwert auf dem Rücken eines wilden Tieres. Seine in Falten gelegte Stirn und der nachdenkliche Blick deuten allerdings nicht auf einen Triumph. Noch immer lebt das bedrohlich wirkende Ungeheuer und die Haltung des Engels deutet eher auf den Versuch sich zu schützen als auf einen strahlenden Sieger.

Für Barlach verband sich mit der Darstellung des Tieres Leid und Trieb, mit dem Engel aber die Überwindung des Leids durch ein seelisch-geistiges Prinzip. Diese Überwindung sei niemals abgeschlossen, sondern ein fortwährender Kampf, der sich unablässig im Menschen vollziehe. Barlach schuf den »Geistkämpfer« ursprünglich für die Heiligengeistkirche in Kiel, vor der sie 1928 aufgestellt und 1937 von den Nationalsozialisten entfernt wurde. Das Exemplar der Kunsthalle zeigt den Bronzeabguss des ursprünglichen Modells.

Hintergrund

Der Kieler Stadtoberbaurat Willy Hahn beauftragte 1924 Ernst Barlach mit dem Entwurf einer Großplastik für die Heiligengeistkirche in Kiel. Barlach lehnte den Auftrag zunächst ab, um sich um eigene Projekte kümmern zu können, sagte 1927 aber schließlich doch zu, nachdem ihm umfangreiche künstlerische Freiheiten zugesichert worden waren.

Nachdem der Vertrag Anfang 1928 zustande gekommen war, fertigte er mehrere Entwurfsskizzen an, bis der Guss des »Geistkämpfers« bei der Bildgießerei Hermann Noack in Berlin-Friedenau umgesetzt und im Dezember 1928 vor der Kieler Kirche aufgestellt wurde. Nur wenige Wochen später, im Januar 1929, schrieb Barlach an seinen Bruder Hans: „Die Aufnahme der Gruppe ist […] frostig und ablehnend. Man hatte zwei Tage vorher sogar das Schwert abgebogen in der Nacht, alle Rechtsparteien ziehen gegen mich vom Leder.“

Was sich Ende der 1920er-Jahre ankündigte, verschärfte sich nach der Machtübernahme Hitlers am 30. Januar 1933. Barlachs Arbeiten wurden von den Nationalsozialisten als »entartet« eingestuft und der »Geistkämpfer« am 20. April 1937 – an Adolf Hitlers Geburtstag – samt Sockel entfernt.

Für kurze Zeit fand die Figurengruppe im Kieler Thaulow-Museum Schutz, aber schon 1939 sollte sie als beschlagnahmtes Staatseigentum zum Verkauf angeboten werden. Der Käufer war allerdings ein ehemaliger Mitarbeiter Barlachs und so überlebte die Plastik in vier Teile zerlegt und in Kisten verpackt das Kriegsende.

1954 wurde der »Geistkämpfer« schließlich wieder in Kiel aufgestellt. Da die Heiligengeistkirche im Krieg zerstört wurde, fand die Figurengruppe vor der Nikolaikirche ihren neuen Platz.

Hintergrund

In 1924, Kiel's chief city architect Willy Hahn commissioned Ernst Barlach to design a large sculpture for the Heiligengeistkirche (Church of the Holy Spirit) in Kiel. Barlach initially declined the commission in order to focus on his own projects, but finally agreed in 1927 after being assured extensive artistic freedom.

After the contract was signed in early 1928, he produced several draft sketches until the casting of the “Geistkämpfer” (Spirit Fighter) was completed at the Hermann Noack foundry in Berlin-Friedenau and erected in front of the church in Kiel in December 1928. Just a few weeks later, in January 1929, Barlach wrote to his brother Hans: “The reception of the group is [...] frosty and hostile. Two days earlier, someone had even bent the sword during the night, and all the right-wing parties are attacking me.”

What had been looming at the end of the 1920s intensified after Hitler came to power on January 30, 1933. Barlach's works were classified as “degenerate” by the National Socialists, and on April 20, 1937—Adolf Hitler's birthday—the “Geistkämpfer” was removed along with its pedestal.

For a short time, the group of figures found refuge in the Thaulow Museum in Kiel, but by 1939 it was to be offered for sale as confiscated state property. However, the buyer was a former employee of Barlach's, and so the sculpture survived the war dismantled into four parts and packed in boxes.

In 1954, the “Geistkämpfer” was finally reinstalled in Kiel. Since the Heiligengeistkirche had been destroyed during the war, the group of figures found a new home in front of the Nikolaikirche.

Einstieg

Ernst Barlach described »The Spirit Fighter« as a depiction of “overcoming.” But what exactly is the figure vanquishing? An angel with a raised sword stands on the back of a wild animal, and yet the wrinkled brow and the contemplative gaze would not appear to indicate a triumph. The menacing-looking monster is still alive and the angel’s posture seems more defensive in character than the attitude of a glorious victor.

For Barlach, the image of the animal was associated with suffering and instinct, while the angel represented the overcoming of suffering through a spiritual and intellectual principle. This process of overcoming is never completed, but is a continual struggle which proceeds relentlessly within the individual. Barlach originally produced »The Spirit Fighter« for the Church of the Holy Spirit in Kiel, where it was erected in front of the building in 1928 and subsequently removed by the National Socialists in 1937. The Kunsthalle’s copy is a bronze cast of the original model.

Creditline

Kunsthalle Mannheim

Inhalt und Themen
Engel
Tiere
bedrohlich
düster
Konflikt
Schutz
Leid
Figurenpaar
Schwert
Kampf
Statik
glatt (Oberfläche)
glänzend (Oberfläche)
Vertikalität
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